Ist ein beschnittener Mann ein besserer Liebhaber?

Ich war und werde immer ein riesen Fan der Serie „Sex and the City“ sein. Die Mädels haben mich unterhalten und begleitet, oft habe ich die Themen jedoch erst verstanden, als ich selbst in der entsprechende Situation war.
Aber ehrlich: es gibt ein Thema in der gesamten Serie, wo ich mich heute noch echt aufrege. Und zwar ist das eine Folge in der zweiten Staffel, in der Charlotte einen Typen kennenlernt und bemerkt, dass er nicht beschnitten ist. Skandal! Da sie noch nie einen unbeschnittenen (Sexual-)Partner hatte, ist sie erst mal unsicher, wie sie sich verhalten soll und fragt ihre Freundinnen um Rat. Über Kaffee und Rühreiern stellt sich heraus, dass die vier unisono beschnittene Männer bevorzugen. Unbeschnitten? Eeewwww.

Das finde ich so, so lächerlich und oberflächlich. Können wir uns das tatsächlich aussuchen? Ich habe noch nie darüber nachgedacht, wenn ich einen Penis vor mir hatte, ob der jetzt optisch ansprechender oder hygienischer wäre, wenn er beschnitten wäre. Aber das ist vielleicht einfach in unserer Kultur kein so großes Thema.
Weiter in der Serie: Mike, der unbeschnittene Typ, hat gemerkt, dass Charlotte nicht mit ihm zusammen sein will, da er nicht beschnitten ist und weil ihm so etwas schon häufiger passiert ist (das ist so elend!!), erklärt er ihr, dass er das ändern möchte. Er will sich beschneiden lassen. Charlotte ist überwältigt, dass Mike so etwas für sie tun möchte und erklärt sich bereit, auf ihn zu warten, bis die Wunden verheilt sind.

Ich persönlich könnte nicht damit umgehen, dass ein Mann für mich so eine Operation vornimmt. So etwas Intimes muss er für sich entscheiden und durchziehen. Wenn ich der Grund bin, könnte er das jederzeit gegen mich verwenden, nach dem Motto „Jetzt hab‘ ich mich für dich beschneiden lassen, jetzt machst du mir zuliebe das und das…“ Darauf hätte ich keine Lust, Machtkämpfe und ein Beziehungsgezerre senken meine Libido enorm.

Charlotte trifft sich wieder mit Mike, nach dem Heilungsprozess können Mike und Charlotte nun endlich Sex miteinander haben. Anschließend lässt Mike Charlotte jedoch sitzen, da er das Gefühl hat, jetzt – wo er beschnitten ist – ihm stünde nun die ganze Welt offen.
An dem Punkt muss ich aus Schadenfreude immer noch so hart lachen! Ich liebe Charlotte, aber ehrlich – es geschieht ihr recht. Zuerst spricht sie seine (in ihren Augen) Minderwertigkeit an, er entscheidet sich für den Eingriff und am Ende will er seinen nun endlich perfekten Penis den New Yorkerinnen nicht vorenthalten. Der Gute hat wohl auch einen schönen Schuss, aber ich kann seine Argumentation verstehen.

Nicht nur SATC, viele amerikanische Serien stellen den unbeschnittenen Mann als Minderheit dar. Das hat mich immer stutzig gemacht, denn besonders in Mitteleuropa ist es genau umgekehrt. Bis ich 22 wurde, hatte ich noch nicht mal einen beschnittenen Mann gesehen. Wenn in Österreich ein Mann beschnitten ist, hatte er entweder als Baby eine Vorhautverengung, die eine Beschneidung medizinisch notwendig machte oder er gehört dem jüdischen oder muslimischen Glauben an. Und die sind prozentuell in der Minderheit, wenn man in österreichische Männerhosen schauen würde. In all den Jahren habe ich tatsächlich nur einen Mann im Bett gehabt, der beschnitten war.

War der Sex mit ihm anders?

Ich würde sagen, eher unscheinbar. Ich habe mich auf ihn und seine Bedürfnisse als Individuum eingestellt, geschaut, was ihm gefällt. Einen Unterschied im Handling (im wahrsten Sinne des Wortes) gibt es allerdings schon: Gleitgel benutzt ein beschnittener Mann automatisch mehr als ein unbeschnittener Mann, es gehört einfach dazu, er kennt es aber auch nicht anders. Deshalb ist der Griff zur Tube nur natürlich, bevor es irgendwo ziept oder nicht so angenehm ist, wie es sein könnte. Das Argument, einen beschnittenen Penis zu blasen wäre einfacher, leckerer, keine Ahnung was, kann ich nicht mal nachvollziehen. Ob ein beschnittener Mann ausdauernder ist, kann ich nach der einen Stichprobe (harhar) nicht sagen.

Abschließend kann ich nur sagen: Leute, ein Penis ist ein Penis. Ob da jetzt eine Vorhaut dran ist, ob der gebogen ist, obenrum schmäler wird – was auch immer. Nehmt ihn wie er ist und vergesst nicht: da hängt auch ein Mann dran und auch die haben Gefühle.

Ein Kommentar zu „Ist ein beschnittener Mann ein besserer Liebhaber?

  1. Puh… klarer Fall von „wer keine Probleme hat, macht sich welche“. Aber auch ich mag da meine empirischen Forschungsergebnisse beitragen, wenn das doch ein so bewegendes Thema ist. Ich glaube die beschnittenen und unbeschnittenen Penise halten sich die Waage in meinem Sexleben. Weder die Liebhaberqualitäten noch Durchhaltevermögen kann ich mit der Vorhaut nicht in Verbindung bringen. Wenn ein Mann es mit Hygiene nicht so ernst nimmt, wird das auch im beschnittenen Zustand ekelig, also Penis sauber, dann auch Vorhaut sauber. Mir war das immer ziemlich egal, ob beschnittenen oder nicht, wenn der Penis und vor allem der Mann daran schön und gut war bzw. ist. Mir würde es nicht einfallen, einen Mann um eine Beschneidung zu bitten… Moment… aus einem Grund würde ich es vielleicht empfehlen… dann, wenn er keinen Spaß beim Sex hat, weil ihm die Vorhaut weh tut. Leider auch schon erlebt und da bekommt der Begriff verklemmt sein, auch eine ganz neue Bedeutung irgendwie. Also in Amerika sind manche Trends doch sehr fragwürdig…

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