Sein sexueller Wunsch ist mir Befehl?

Es gibt sexuelle Phantasien, die können leicht erfüllt werden. Ohne Überwinden oder Verlassen der Komfortzone, weil sie sich annähernd oder sogar sehr mit meinen Phantasien decken. Es hat viel damit zu tun, was ich als sexy oder abartig empfinde und das wiederum hat mit meiner Sozialisation und Erfahrung zu tun.

Eines Tages erzählte mir mein damaliger Freund (es war so mit Anfang 20), als wir so im Bett lagen um kuschelten, dass er meine Beine so schön findet und dass sie noch schöner wären, wenn ich rote, halterlose Strümpfe tragen würde. Rot? Als Österreicherin musste ich sofort daran denken, dass ich dann wohl aussehen würde wie eine Flugbegleiterin der Austrian Airlines. Ich sagte „Schwarze hätte ich sogar da, aber Rote muss ich erst besorgen!“ Er wollte darauf warten. Tatsächlich hat es ihn wirklich mega angemacht und ich fühlte mich mit der Situation auch wohl. Er ejakulierte auch auf die Strümpfe. War für uns beide eine coole Erfahrung.

Es blieb nicht bei dem einen Mal, dass ich für ihn rote Strümpfe trug. Irgendwann habe ich ihn gefragt, was es damit auf sich hätte. Er erzählte mir, dass er sich erinnern kann, als er ein Junge war, dass es seine erste sexuelle Erinnerung sei. Ausgelöst von den Strumpfhosen seiner Cousine. Das Bild hat sich irgendwie eingebrannt in seinem Hirn. Fand ich jetzt nicht weiter abartig, vorallem hatte er diese Phantasie mit mir zusammen abgewandelt, es wurde erwachsener durch die halterlosen Strümpfe. Woher der Farbwunsch kam? Keine Ahnung. Zumal mein damaliger Freund eine Rot-Grün-Sehschwäche hat, wie so viele Männer. Egal, nicht so viel hinterfragen. Die Geschichte hat uns beiden Spaß gemacht, keiner wurde verletzt, also alles gut.

Ich habe aber auch aus der anderen Kategorie „Wünsche des Partners“ eine Story, die ich gerne mit euch teile. Und hey: meine Exfreunde lesen den Blog nicht, also beschäme ich sie nicht 😉

Ich hatte mit Mitte/Ende 20 einen Partner, der mir nach ein paar Wochen loser Beziehung via Email einen Link zu diesem Wikipedia-Artikel (Tease & Denial) schickte. Da wir beide in der Arbeit waren, schrieb ich ihm „Lass uns das zu Hause zusammen lesen und besprechen“. Ich las den Artikel natürlich am Weg nach Hause, ich gehe nie unvorbereitet in ein Gespräch. Ich war verwirrt, ich hatte noch nie davon gehört, dass jemand gerne geil gemacht wird und es dann genießt, dass ihm der Orgasmus verboten wird. Ich war also reichlich gespannt auf das Gespräch, das aber nie wirklich zustande kam. Der Typ sagte nur „Wenn du den Artikel gelesen hast, kennst dich eh aus!“ NEIN – eben nicht. Ich wollte wissen, was ihm daran gefiel und wie man das in eine für mich „normale“ Sexualität einbauen könnte. Irgendwie stünde ja dann nur sein Nicht-Kommen im Fokus, wo wäre denn dann der gemeinsame Sex und weitergedacht auch mein Orgasmus? Diese Fragen wurden nie beantwortet. Demnach konnte ich mit der Sache auch nie viel anfangen, was frustrierend ist, wenn du weißt, der Typ in deinem Bett hat Wünsche, die du ihm vermutlich nicht erfüllen kannst. Wie auch immer, irgendwann lag eine Rolle Alufolie neben dem Bett und er meinte, er würde sich jetzt den Penis damit einpacken und ich solle draufschlagen. Hm. Ein paar Monate später kam ein Paket mit der Post, er öffnete es und sagte „Endlich ist mein Peniskäfig angekommen. Das ist der Schlüssel dazu, der gehört dir.“ Ich war einfach planlos, ich konnte seine Erregung nicht verstehen und mich machte das null an.

Langer Rede, kurzer Sinn: der Typ und ich, das wurde nix. Jetzt nur auf das Sexuelle bezogen: er war nicht in der Lage mit mir zu reden, wieso das für ihn wichtig ist, wieso das für ihn besser ist als normales Gebumse. Reden ist schon elementar, gerade wenn sich ein Teil der Bettgemeinschaft mit einem Thema gar nicht auskennt.

Funfact: Heute weiß ich, dass Tease & Denial zu BDSM gehört, in die Ecke durfte ich schon reinschnuppern, aber als der submissive Part. Ich habe keinen Lustgewinn, jemand anderen zu dirigieren, kontrollieren oder sinnlich zu quälen, das ist in meinem Hirn eine Einbahnstraße. Das hätte man in einem Gespräch (und da sind wir wieder) abklopfen und richtig stellen können, wir hätten uns viele frustrierende Momente erspart.

Ein Kommentar zu „Sein sexueller Wunsch ist mir Befehl?

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