Und wie machst du’s?

Im letzten Post habe ich das Buch erwähnt, das in meiner Familie eine Frauengeneration über mir bereits kursierte. Die amerikanische Originalausgabe „Shared Intimacies“ erschien 1980, also vor meiner Geburt. Lustigerweise finde ich die Kernaussagen der 120 befragten Frauen, die über ihr sexuelles Leben Auskunft gaben, nicht besonders antiquiert oder entfernt von der Lebens- und Erfahrungswelt vieler Frauen heute.

Dem Buch liegt die Annahme zugrunde, dass wir „Tante Mary nach ihrem einmaligen Rezept für Gebäck mit Schokoladenstreusel zu fragen“, sobald es jedoch um Sexualpraktiken geht, „so verschließen wir sie nur zu gern in uns selbst“. Es ist schon eher untypisch, offen über Sex (das tatsächliche Doing) zu reden und wenn es passiert, dann eher aus einer negativen Motivation heraus, wenn etwas nicht passt in der körperlichen Beziehung zwischen zwei Menschen. Vielmehr sollten, vorallem Frauen, miteinander darüber sprechen, was ihnen gut tut, als Inspiration. Wenn du weißt, wie Tante Mary ihre Schokostreusel-Keks macht, Handgriff für Handgriff und Zutat für Zutat – würdest du einfach mal drauflos kneten und backen, mit dem ungenauen Ziel vor Augen „Oh, irgendwelches Gebäck wird dabei schon rausschauen?“
Das bietet sich gerade zwischen Weihnachten und Silvester an, wir haben endlich Zeit, uns mit Familie und Freunden zu treffen, Menschen mit denen wir gern sprechen. Was jetzt natürlich nicht bedeutet, dass wir Oma unter dem Christbaum zum Herzinfarkt bringen, indem wir sie fragen, was Opa im Bett am besten konnte. Naja, eigentlich wäre es schon spannend, aber ihr wisst was ich meine… Mir geht es eher um die Schaffung, eines positiven Kreises, in dem gesprochen werden darf, wo jüngere von älteren Frauen profitieren und umgekehrt: jede Frau ist etwas Besonderes und kann etwas zum Gesamten beitragen. Natürlich soll jede Frau ihre eigenen Erfahrungen sammeln und ganz sicher ist auch, dass sich alle paar Jahre der Fokus ändert.

Nichts ist statisch, auch die Sexualität nicht.

Oft hat es was damit zu tun, mit wem du dein Bett teilst, aber das beste Erlebnis ist noch immer, wenn du eines Tages merkst, egal wer nun neben/auf/unter dir liegt, du hast deinen eigenen Stil gefunden. Du weißt, unabhängig von deinem Sexualpartner, was dir gefällt und kannst es abgrenzen von dem was ihm gefällt. Vieles ist deckungsgleich, manches machst du gerne, weil es ihm gefällt und dir keinen Zacken aus der Krone bricht, aber du bist immer bei dir.

Wenn ich dich fragen würde, was für dich (d)ein gutes, ausgefülltes, befriedigendes Sexualleben ausmacht, was würdest du antworten?

Die Tiefe der Gefühle zu dem Menschen, mit dem du schläfst? Die Frequenz? Die Vielfalt, Phantasie? Die Stellungen, die Praktiken? Lasst uns darüber in den nächsten Wochen arbeiten.

„Der einzige Weg, Oliven zu essen“ – der deutsche Titel der 13. Auflage aus dem Jahr 2002 – ist einer Anekdote entnommen. Ariel (so ihr Name) schildert von ihrer Beziehung zu einem Mann, der als Erster Oralsex (sie spricht es allerdings nicht aus, sondern umschreibt es mit „er war bei mir in den Keller gegangen“) an ihr praktiziert hat und zwar auf die für ihn genussvolle Weise, dass er die von ihm geliebten Oliven gerne mit der Zunge in ihre Vagina stieß, um sie dann wieder herauszufischen. Für ihn war es „der einzige Weg, Oliven zu essen“. Eine sehr intime, süße Geschichte eines Pärchens. Ich denke, dass sie nach diesem Mann nicht mehr auf Oralsex verzichten wollte und jedes Mal wenn sie Oliven sah, hat sie lächelnd daran zurück denken müssen. Darum geht’s doch: an die Oliven denken, ohne die das eigene Sexleben anders verlaufen wäre.

3 Kommentare zu „Und wie machst du’s?

  1. Danke, dass Du uns in der fast schon zu besinnlichen Weihnachtszeit mit Deinen Beiträgen versorgst! Ja, auch ich habe das Oliven-Buch gelesen, und es hat mich 100pro in meiner sexuellen Entwicklung weitergebracht. Der persönliche weitere große Schritt war für mich die 1. Schwangerschaft, nun bereits der Wechsel, und es wäre wieder mal Zeit für einen größeren Durchbruch…😇. Jetzt ist es besonders wichtig für mich und meinen Partner, neue Wege zur Befriedigung zu finden, momentan noch ohne Worte, weil wir es nicht gewöhnt sind, viel „darüber“ zu sprechen und mir die emotionale Verletzungsgefahr gerade für beide zu hoch erscheint …
    Jedenfalls erreichst Du mit Deinem Blog genau, was Du willst: Mich rufen Freundinnen an, die ich schon länger nicht gesehen habe, um mit mir nicht Smalltalk zu betreiben, sondern über Sex zu reden, weil ich ihnen Deine Links weitergeleitet habe. Ich finde, Du hast für mich und meine „Base“ eine neue Ära eingeläutet, kommst also chronologisch gleich nach der für mich revolutionären „Sex and the City“-Serie.
    Yours, LunaLovegood

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    1. Meine liebe LunaLovegood ❤ Ich bin unglaublich gerührt! Mit SATC bin ich quasi aufgewachsen und daher ist der Vergleich eine mehr als große Ehre! Du weißt das!
      Wenn du sagst, dass deine Freundinnen dich anrufen – genau das brauchen wir! Wieso nicht den netten Smalltalk überspringen und gleich tiefer gehen? Mal sehen wohin es uns bringt. Näher zu sich selbst, seinen Untiefen und damit stärker in die (Paar-)Sexualität gehen können – mein Wunsch für uns alle! Bleib wie du bist, du warst immer mein Vorbild ❤

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  2. Manchmal – also eher so oft, ist es gar nicht mal so übel drauflos zu kneten. Manche Dinge findet man ja erst und wenn nicht, dann lässt man es dann halt. Werden dann halt nicht die Plätzchen von Tante Mary, sondern die Ur-eigenen-Kekse. Aber die kann man dann weitervererben…

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