Bloß nicht um den heißen Brei und so…

Man sagt mir immer wieder mal, dass ich im Gespräch mühsam sein kann, weil ich so gerne und so offen über Sex rede. Die Wahrheit ist, dass ich mich – überwiegend in größeren Runden – am Wohlsten fühle, wenn ich die Oberhand in einem Gespräch habe und das schaffe ich am einfachsten, indem ich mein Gegenüber perplex mache. Das wiederum geht am einfachsten, wenn man was Sexuelles raushaut. Bei dem Thema merkst du sofort, wie dein Gegenüber darüber denkt. Die Reaktion oder oft eben die Nicht-Reaktion sagt so viel aus. Und es amüsiert mich und ich genieße das, wenn ich das letzte Wort habe und man sich an mich so erinnert: „Das war die Lustige, die immer so dreckige Sachen geredet hat“. Wer mich als Person gut und lange kennt, weiß jedoch, dass ich sehr tiefgründig sein kann, aber ich muss niemandem was beweisen. Ich philosophiere nicht mit jedem über den Sinn des Lebens, es ist wesentlich simpler, oberflächlich über Männer, Frauen, Genitalien und sonstigen Kram zu plaudern. Außerdem rede ich wirklich gerne über Sex.

Ich habe mir die Frage gestellt, was bei mir im Gespräch schon dazu geführt hat, dass mir der Mund offenstand und ich nicht wusste, was ich darauf sagen sollte. Die drei oder vier #metoo Situationen werde ich jetzt nicht zum Besten geben, die sind aber auch nicht lustig.

Hier eine lustige Begebenheit aus meinem früheren Leben. Es muss mein erster richtiger Job gewesen sein, nach der Uni, ich war top-motiviert. Innerhalb eines Projekts hatte ich die Aufgabe, die österreichische Landschaft der Schönheitschirurgie abzubilden. Dafür telefonierte ich Ordinationen und PR-Büros durch. Einige Docs besuchte ich auch. Spannend war, dass den Beauty-Medizinerinnen damals sehr wichtig war, einen Unterschied zu machen zwischen Rekonstruktiver und klassischer Schönheitschirurgie. Die rekonstruktiven ChirurgInnen präsentierten sich als die Wilderen, die richtig ihr Handwerk lieben, die Herausforderung dabei, weil sie oft Unfallopfer am OP-Tisch liegen haben. Das unterscheide sich von der Lifestyle-Society-Schönheitschirurgie. War bis dahin also spannend. Dann lud mich der PR-Berater (und Ehemann) einer Chirurgin ein, er wolle mir erzählen, wieso seine Frau die coolste unter den ohnehin coolen rekonstruktiven Chirurginnen ist. Sie stammte aus der Slowakei, hatte in Mindestzeit studiert, Preise gewonnen, war krass begabt. Ich fuhr da also hin und das Ehepaar empfing mich in der Ordination.

Sie war wirklich eine tolle Frau, die zu dem Zeitpunkt damals 50 % ihrer Zeit Pro-Bono operierte. Das bedeutete, dass sie mittellosen PatientInnen eine Operation ermöglichte und das fand ich sehr beeindruckend. Darunter waren Brandopfer, Unfallopfer oder Menschen die anderweitig vom Leben gezeichnet waren. Ich fragte sie, womit sie ihr Geld verdiene. Ihr Mann antwortete, dass sie die anderen 50 % ihrer Zeit darauf konzentriere, was sie fachlich am besten drauf hätte: MUSCHIS.

Wie bitte? Er hatte wirklich Muschis gesagt. Und im nächsten Moment zog er ein Tablet der ersten Generation aus der Lade und wischte über das Display. Seine Finger berührten dabei wunder, wirklich wunderschöne Muschis. „Sind die nicht wundervoll?“, wollte er von mir wissen. Ja, das waren sie, aber ich brachte kein Wort heraus. Ich nickte nur. Nachdem ich in 60 Sekunden 40 post-operative Traum-Vaginas gesehen hatte, war ich fertig.

Ich hätte in diesem Business-Termin einfach nie damit gerechnet, dass ich Muschis zu sehen bekomme. Und noch weniger hätte ich es in dieser Ordination erwartet. Aber diese Ärztin hatte sich, um Geld zu verdienen und ihr soziales Engagement zu realisieren, auf Genital-Operationen spezialisiert. Zu ihr kamen allerdings auch eher Patientinnen, die Traumatisches erlebt hatten oder seit Jahren seelische Schmerzen, weil sie so unglücklich waren mit dem, was zwischen ihren Beinen war. Sie war keine Ärztin, die Designer-Pussys formte. Für mich war sie eine Art Robin Hood in grünem OP-Gewand.

Ich beendete das Gespräch mit ihrem Mann mit den Worten: „Ich finde Ihre Frau mindestens so toll wie Sie und wir werden ein Interview mit ihr abdrucken. Dafür melde ich mich wieder! Und: das sind wirklich die schönsten Muschis, die ich je gesehen habe!“

Danach trat ich auf die Straße und hatte das wahnsinnige Bedürfnis nach einer Zigarette. Wieder ganz ich und topfit im Büro angekommen, fragt mich mein Chef, wie der Termin war und ich sagte nur lapidar: „Ich hab‘ mir ein paar Muschis angeschaut.“

„Ah, okay. Cool. Und? Bringen wir sie auf Seite 4?“ Mein schwedischer Chef war sichtlich nicht berührt und das war nur eines unserer Highlights zusammen.

3 Kommentare zu „Bloß nicht um den heißen Brei und so…

  1. Was ist denn der Unterschied zwischen einer „schönen“ und einer „nicht so schönen“ Muschi? Und was sind das für Menschen, die unglücklich wegen einer nach ihrer Auffassung „nicht so schönen“ Muschi sind? Gibt es Muschischönheitswettbewerbe? *neugierigfrag* 🙂

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    1. Ich weiß worauf du hinaus willst, ich persönlich denke dass jede Muschi schön ist. So individuell jede Frau ist, so ist auch ihr Geschlecht. Aber es dürfte doch recht oft vorkommen, dass Frauen ihre Vulva nicht schön finden. Die besagte Medizinerin hat ihre Patientinnen lange beraten, geschaut woher die Unsicherheit oder Qual kommt, weil wenn das tief sitzt, verändert eine Operation auch nichts. Dann hätte sie auch nicht operiert.

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