Cojones.

Lasst uns über Hoden reden, es ist wirklich höchste Zeit. Denn ehrlich gesagt vernachlässige ich Hoden beim Sex, weil ich mich auf andere Körperteile oder erogene Zonen konzentriere. Das ist mir erst aufgefallen, als mich eines Tages ein Mann dezidiert aufgefordert hat, mich mit ihnen zu befassen, währenddessen. Bis dato hat das noch kein und wirklich kein Mann angesprochen. Daher befragte ich ein paar Menschen aus meinem Freundeskreis und erhielt neun auswertbare Antworten. Es gibt einen Menschen, der würde sagen, neun Personen sind bereits eine statistisch relevante Größe. Ich wiederum erhebe keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit, ich habe mich in den Gesprächen einfach mal wieder bestens amüsiert. Wir sollten prinzipiell viel mehr über Sex reden.

Packen wir das Thema also an den Eiern 😊

Die Männer, die mir geantwortet haben (es waren vier) sagten folgendes zusammengefasst:

  • Ich bin da wohl eher so der nicht repräsentative Anteil. Ich mag das gar nicht. Am liebsten ist mir, wenn die in Ruhe gelassen werden. Brauch ich nicht. Zunge ist noch ganz angenehm, aber saugen oder kneten geht gar nicht.
  • Meine Hoden sind eher eine erogene Zone der B-Kategorie. Per se schmerzempfindlich, und es kann sogar unangenehm sein, Hände daran zu spüren. Und Toys an und für die Hoden? Nein danke. „Bissle rumspielen, lecken, saugen, dann kommt er schon in Stimmung!“ – Blödsinn. Nix da. Eher abtörnend in so einer zarten, noch aufzugeilenden Situation. Selbst bei einem Standard Blowjob muss das echt nicht sein. Wenn aber die Geilheit dominiert, dann kann es gut kommen (höhö) wenn sie oral bearbeitet werden, sogar beide ganz in den Mund genommen werden.
  • Also bisher haben die Ladies immer damit gespielt. Ich find Kraulen ganz dufte. Da kann sie das Ganze entweder beschleunigen oder auch nicht. Ist auch eigentlich jedes Mal wie ein schönes Zucken, wenn eine andere Frau die berührt. Gibt mir zumindest noch einen Kick. Kneten is so ne Sache. Wenn ich die Wahl hab: lieber Kraulen oder Zunge. Ganz in den Mund hatte ich noch nicht. Traut sich vielleicht einfach nicht jede?
  • Meine Hoden dürfen gerne vernachlässigt werden, wenn ich insgesamt genug Sex / genitale Aufmerksamkeit bekomme aka Hauptsach‘ genug Traffic!

Was sich aber generell durchzieht: alle Männer haben den Schmerz abgespeichert, wie es sich anfühlt, wenn sie einen Tritt oder Fussball in ihre Kronjuwelen bekommen. Auch wenn 20 Jahre vergangen sind, der Schmerz ist sofort wieder spürbar, die Augen sind schreckensgeweitet, wenn sie davon erzählen. Vielleicht sitzt die Angst davor, diesen elementaren Schmerz wieder einmal erleiden zu müssen, so tief in Männern, dass sie auch eher darauf verzichten, ihre Hoden im Liebesspiel zur Geltung zu bringen. Alles Vermutungen meinerseits.

Hoden sind für jeden Mann ein individuelles Thema, ob sie für ihn wichtig sind, ob es für ihn im Liebesspiel wichtig ist – es ist ungefähr vergleichbar mit Brüsten. Nicht jede Frau reagiert total sensibel an ihren Brüsten und ist dem Orgasmus nahe, wenn ein Mann daran knetet oder leckt.

Ich kannte mal einen Mann, dem seine Hoden anscheinend sehr wichtig waren, vermutlich deshalb, weil sie doppelt sensibel waren, da er sich aus medizinischen Gründen einen Hoden entfernen lassen musste. Er erzählte es mir, bevor wir miteinander schliefen. Ich wunderte mich, dass er es mir gesagt hatte: ich hätte es nicht bemerkt! Und warum? Weil mir andere Phantasien, die wir im Gespräch angeteasert hatten, so viel wichtiger und größer erschienen, dass ich mich seiner Single-Hode nicht mal widmete. Was einen Mann mit derselben „Problematik“ eigentlich beruhigen kann: eine Frau ist nicht weniger sexuell interessiert an dir, nur weil ein Ei „fehlt“. Auch das kann ich wieder vergleichen mit der weiblichen Brust: ich kenne ein Paar, wo sie durch Brustkrebs einen Teil ihrer linken Brust entfernen lassen musste. Sie hatte sich überlegt, diesen Teil rekonstruieren zu lassen. Ihr Partner machte ihr klar, dass er das nicht bräuchte: es ändert nichts an seinen Gefühlen für sie oder dass er sie attraktiv und sexy findet. Ich denke, der Vergleich passt ganz gut an der Stelle.

So, jetzt zu den Antworten der Frauen (es waren fünf) in Bezug auf ihren Umgang mit den Testikeln:

  • Also bis zu meinem jetzigen Freund hab ich sie nicht miteinbezogen – hab einfach darauf vergessen. Aber in der jetzigen Beziehung schon – sowohl mit der Zunge (aber nicht ganz rein) und kraulen bzw kneten. Aber nicht wild oder stark – sind ja doch sehr sensible Teile und ich glaub man muss sich langsam vortasten, das kann einen Mann denk ich schnell mal verstören, wenn er es nicht mag.
  • Tja ich glaub ich bleib dabei: Hoden sind sensibel und da man ja vorher nicht darüber spricht ob ich sie in den Mund nehmen soll oder überhaupt…. Sanft herantasten, am besten ein wenig abschlecken und dann ab in den Mund und da merkt man eh ob Mann das mag oder nicht.
  • Also… alles was ich dazu weiß, hab ich gelesen und alles, was ich mit Kronjuwelen so mache, passiert intuitiv. Die Eier vorm und bei seinem Orgasmus zu kneten, das mache ich aber erst seit Neuestem. Ich gehe eher zärtlich mit den Eiern um. Beim Blasen streichel ich mit den Händen, jongliere und knete. Wenn ich eine kurze Erholung brauche, schmuse ich den Sack, küsse und sauge und nehme auch mal ein Ei in den Mund. Ich fasse die Kronjuwelen gern an, weil sie sich so gut anfühlen. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir irgendein Mann mal gesagt hätte, dass er es besonders schön findet, etwas anderes haben würde wollen oder es ihm nicht gefällt.
  • Hoden sind lustig, die greifen sich wie Lychees an. Ich greif die gerne an, wenn sie gepflegt und haarlos sind. Was ich nicht so cool finde sind eher hängende Hoden, auch im erregten Zustand, wenn die im Doggystyle so gegen meine Oberschenkel klatschen.
  • Ich hab das Thema für mich schon lange von der Liste gestrichen, nachdem auch KEIN Bettpartner jemals diesen Wunsch geäußert hat, habe ich das wirklich noch nie gemacht (auch nicht mit der Zunge). Was ich aber schon immer wieder gerne einbaue, ist Kraulen und Kneten. Entweder während ich ihm einen blase oder in der Missionarsstellung. Wie gesagt: Feedback gab es bisher noch nicht, aber es hat sich auch noch keiner beschwert. Es stimmt aber, dass ich mir schon auch Gedanken mache, ob er das jetzt mag bzw. ob ich zu grob bin, oder eben aus Angst dass es so ist, zu wenig zupacke. Vielleicht sollte ich das nächste Mal einfach nachfragen, wie/ob es ankommt bevor ich mir das Hirn darüber zermartere und dabei mal wieder auf mich und meine Bedürfnisse vergesse.

An den ausführlichen Antworten meiner Geschlechtsgenossinnen erkennt man, dass Frauen sich wirklich Gedanken darüber machen, weil sie das Gefühl haben, eher im Dunkeln zu tappen. In einer festen Beziehung spricht man das Thema bestimmt an, beziehungsweise weiß man, wie der Partner gerne an den Hoden angefasst wird. Aber wenn man noch nicht lange mit einem Mann schläft, spricht man vielleicht schon über Sex, Phantasien und Vorlieben, aber dezidiert die Hoden ansprechen? Wäre ein Novum, das sich bestimmt lohnen würde, für beide Seiten.

Viel Vergnügen beim Erforschen der testikulären Gefilde, die euch so umgeben – ich freue mich über eure Kommentare 😊

2 Kommentare zu „Cojones.

  1. Jetzt würde mich die Betrachtung „Nicht jede Frau mag das Kneten der Brüste“ interessieren. Ich habe da zwei Extrembeispiele – von „Die sind zum Man-Handlen da“ bis zu „Ne, zu sensibel…ganz vorsichtig…“

    Aber ja, Hodenschmerz ist etwas tief verankertes.

    Gefällt 1 Person

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