„Ich will, aber sie will nicht“

Ich habe schon mal darüber geschrieben, wie unterschiedlich sexuelle Wünsche in einer Partnerschaft artikuliert, rezipiert und umgesetzt werden können. Dies geschah aus (m)einer weiblichen Sichtweise und kurz zusammengefasst läuft alles darauf hinaus, dass das „WIE darüber gesprochen wird“ entscheidend ist.

Heute möchte ich die andere Seite beleuchten und zwar erinnere ich mich sehr lebhaft an ein Gespräch mit einem Mann, der mir davon erzählte, dass er mit seiner langjährigen Partnerin bisher keinen Analverkehr hatte. Er sei jetzt nicht fixiert darauf, aber der Fakt, dass seine Partnerin es als Option von sich aus ausgeschlossen hatte, machte es für ihn so interessant. Ja, dass was man offensichtlich nicht haben kann, will man haben…

Der Typ wollte also von mir wissen, welche Tricks er als Mann anwenden könnte, damit er sie dazu brächte. Hm. Da gäbe es doch dieses Gel, um die Muskeln zu entspannen und betäuben…

Ich sagte ihm, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die richtige Ansprechpartnerin bin. Tatsächlich ist seine Partnerin diejenige, mit der er das besprechen sollte, ich bin mir außerdem nicht sicher, was sie davon halten würde, wenn sie erfahren würde, dass er mit einer quasi wildfremden Frau dieses doch intime Thema bespricht.

Er versuchte zu erklären, dass er es ein paar Mal versucht hätte anzusprechen, seinen Wunsch zu formulieren, hätte es aber gelassen, nachdem keine erwünschte Reaktion ihrerseits eintrat.

Ich stellte ihm die Frage, wie er es denn angesprochen hätte und zwar hatte ich so die leise Vorahnung, dass er es relativ plump getan hat im Sinne von „Heute ist so ein toller Tag, ich liebe dich, also kann ich meinen Penis in deinen Anus stecken?“

Wenn ich das Gespräch mit ihr führen würde, würde ich schlicht und ergreifend nach ihrem persönlichen Grund fragen, nicht anklagend, aushorchend, einfach interessiert. Es ist ja vollkommen okay, nicht alles zu machen. Wenn sie mir erzählen würde, dass sie furchtbare Erfahrungen damit gemacht, die zwei-,dreimal die sie es probiert hat und dann resümiert, dass es ihr einfach kein gutes Gefühl bringt, weit entfernt davon, Lust und Befriedigung zu empfinden – fair enough.

Damit wollte sich der Typ eben nicht zufriedengeben. Er wollte mich weiterhin zu einer Aussage bewegen wie „Stellts euch zwei Flaschen Rotwein rein, massier sie und trag heimlich dieses Muskelrelaxans-Gel auf und dann geht scho!“

Aber da kennt er mich schlecht, ich würde niemals Tipps geben, wie man das Vertrauen einer Frau ausnutzt oder sie willenlos macht, damit er eine von ihr definierte Grenze überschreiten kann. Ich fragte ihn, ob er sie liebt. Er bejahte. „Wieso willst du sie dann austricksen und mit ihr etwas machen, was ihr zu 0% Lust bereitet, einfach nur, damit du deinen Willen durchsetzt? Ist das Liebe oder ein Ego-Wettkampf?“

Ich sag mal so: wenn ein liebevolles Gespräch in einer Partnerschaft möglich ist, dann könnte es ja auch durchaus im Bereich des Möglichen sein, dass sie von ihrer Position ein wenig abweicht, wenn er sich verständnisvoll zeigt und einen Schritt auf sie zugeht. Das könnte ja so aussehen, dass sie beginnen, zusammen ein bisschen zu experimentieren, mit Toys oder beim Vorspiel. Die gemeinsame Annäherung kann auch ans Licht bringen, dass es ihr unter Umständen mit ihm gefallen könnte oder ganz anders, dass er es nicht mehr „braucht“, weil sie zusammen so viel mehr gefunden haben unterwegs, ohne es eigentlich gesucht zu haben.

Das ist eine kleine Zauberformel für viele Dinge: wenn mein Partner liebevoll ist, sich meines Wertes für ihn bewusst ist, mich schätzen kann, sich für mich als Person und Frau interessiert, auf mich zukommt und wir eine gute Basis haben, um Gespräche zu führen, kann er von mir mehr bekommen, als er sich überhaupt vorstellen kann. Ich denke, dass eine Frau, die in einer Beziehung glücklich ist und sich geliebt und vor allem sicher und geschätzt fühlt, vielmehr mit und für ihren Partner macht, auch im Bett.

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